I back I

I created a book called Deutsch Stunde, that contains all of my paintings of my classmates. It also includes photographs and a flip book. The following statement is a forward to the book.

VORWORT

Ankunft in Deutschland
Ich kam nach Deutschland, um mit meinem Freund, Jurij, zusammenzuleben. Das war im Februar 2006 und es schneite damals eine ganze Woche lang. Die Winterlandschaft war sehr schön, aber ich kam mit der vielen freien Zeit, die ich nun hatte, nicht zurecht. Ich hatte ja nun nicht mehr meine Arbeit, die mir meinen Tagesablauf regelte. Auch waren plötzlich keine Leute mehr da, mit denen ich mich einfach unterhalten konnte. Selbstverständlichkeiten, über die ich in Amerika nicht einmal nachgedacht hatte, waren plötzlich neu für mich, und ich musste ich mich erst mal an sie gewöhnen, z.B. wie man Kreuzungen mit Fahrradspuren und Straßenbahngleisen überquert, dass sich Fenster und Türen auch kippen lassen, oder dass man für ein Glass stilles Wasser im Restaurant bezahlen muss. Ich entdeckte bald jeden Tag eine neue deutsche Eigenart.

In New York hatte ich als graphische Designerin in der Abteilung für Karten und Diagramme für einen Verlag gearbeitet. Von meinem Schreibtisch im 17ten Stockwerk in Manhattan Tagträumte ich von meinem Umzug nach Deutschland. Darin war ich furchtlos und abenteuerlustig! In Wirklichkeit war es dann dunkel, kalt und es schneite die ganze Zeit, und ich wollte das Haus überhaupt nicht verlassen. Jurij bestand aber darauf, dass ich mich für einen Sprachkurs an der Volkshochschule anmelde.

An meinem ersten Schultag nahm ich, mit viel Angst erfüllt, die Straßenbahn in die Stadt und fand mit Mühe meinen Weg zur Volkhochschule. Aufgrund des schlechten Wetters verkehrte der öffentliche Nahverkehr nicht wie gewohnt und die Fahrt, die normalerweise 20 min in Anspruch nimmt, dauerte 2 Stunden. Ich kam zu spät, war zerzaust, verschwitzt und hatte nicht die richtigen Schulbücher. Die Lehrerin sprach nur Deutsch und ich war vollkommen aufgeschmissen. Zwei Wochen vergingen bevor ich das Wort „Hausaufgaben“ verstand. Aber „Hausaufgaben“ war noch nie ein Wort, das ich jemals wirklich verstanden hatte!

Obwohl es die Lehrer nicht stillschweigend duldeten, dass sich Muttersprachler in Ihrer jeweiligen Landessrache unterhielten, freundete ich mich schnell mit Englisch sprechenden Mitschülern an: Marcelo aus Texas, Laeticia aus Brasilien und Samuel aus Nepal. Es war eine Erleichterung, endlich wieder Freunde zu haben.

Der Unterricht fand jeden Morgen von Montag bis Freitag von 8:30 Uhr bis 11:30 Uhr statt. Ich bin zwar in keiner Weise ein Frühaufsteher, aber mein geistiges Wohlergehen war gerettet, da ich nun einen Grund hatte, jeden Morgen aufzustehen. Als nächstes brauchte ich ein Ziel und ich musste unbedingt kreativ tätig werden. Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich mich in das Studium der Porträtmalerei vertieft. Da ich schon seit Monaten nicht mehr gemalt hatte, war ich nun auf Entzug.

Ein Ziel finden

In der Schule saß ich am Ende eines Halbkreises und hatte eine ungehinderte Sicht auf die Gesichter aller meiner Mitschüler. Ich bestaunte die Vielfalt der Farben und Formen, ihrer Gesichtszüge, Persönlichkeiten und die Verschiedenheit ihrer Herkunft. Was hat uns aus den verschiedensten Ecken der Welt hier in diesem Deutschkurs in Augsburg zusammengebracht? Ich hatte nicht erwartet, so viele verschiedene Nationalitäten in meinem Deutschkurs vorzufinden, geschweige denn in Augsburg oder Deutschland im Allgemeinen.

Ich hatte ein Meer von großen Blonden mit blauen Augen erwarte, nicht unähnlich meinem preußischen Freund. Ich weiß nicht, was ich mir vorgestellt hatte, mit wem ich in meiner Klasse zusammensitzen würde, vielleicht mit einigen Türken. Mir haben trotzdem die paar (oder mehr) Döner Kebabs sehr gut geschmeckt, die ich bei meinen Wanderungen durch die Stadt gegessen habe. Ich war freudig überrascht, neben Brasilien, Ecuador, Korea, China, Japan, Indonesien, Kongo, Somalia, Georgien, Russland, Rumänien, Schweden, Finnland, Tunesien, Spanien, Schweiz, Australien, Nepal, Ukraine, Italien, Iran, Thailand und Türkei zu sitzen, um nur ein paar zu nennen. Diese Vielfalt war beruhigend; sie erinnerte mich an NYC. Es gibt so viel Unfrieden in der Welt, aber hier in meinem Deutschkurs lachten wir zusammen – vereinigt in dem Streben, diese schwierige Sprache zu beherrschen.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich eines Tages in Deutschland sitzen und Deutsch lernen würde. Als eine amerikanische Jüdin hatte ich meine eigenen Vorurteile über Deutschland. Ich wuchs mit Geschichten über den Holocaust, Elli Wiesel, Schindler’s Liste und Anne Frank auf, hörte Deutsch nur in Filmen, wo es in harschem Ton gesprochen wurde, hörte von Verwandten und Freunden, die in den Lagern überlebt hatten oder verschwunden waren, hörte die Geschichten meines Großvaters und seines Bruders, wie sie ihre Kriegsverletzungen überlebt hatten, die sie sich in der Ardennenoffensive zugezogen hatten. Mein Wissen über Deutschland endete 1945. Ich erfuhr Antisemitismus am eigenen Leibe, als ich in einer von Deutschen besiedelten Gegend in Pennsylvania aufwuchs. Als ich 18 Jahre alt war, begegnete ich Nazi Skinheads auf Partys und in Diskos. Später habe ich dann Israel und Europa bereist. Ich habe meine Achtung an der Klagemauer in Jerusalem erwiesen und habe Verwandte ich Tel Aviv besucht, die aus Nazideutschland entkommen waren, nachdem sie sich auf einem polnischen Bauernhof versteckt hatten. Während meiner Europäischen Sommertour habe ich dann noch Auschwitz und Birkenau in Polen besucht. Ich habe mich mit Holocaust Überlebenden angefreundet, die noch ihre eintätowierten Nummern auf dem Arm hatten.

Deutschland war für mich immer noch ein Leni Riefenstahl Film in Schwarz-Weiß und ich hatte keinerlei Sehnsucht, es zu besuchen. Obwohl ich nicht religiös bin, haben alle diese Erfahrungen meine jüdische Identität gefestigt. Ich finde es schon etwas ironisch, dass ich mich etwas mehr als 10 Jahre danach in einem Deutschen verliebt habe und dass, ich nun in Bayern lebe und dass es mir gefällt.
Der kreative Prozess

Meine erste Reaktion, als ich meine Klassenkameraden sah, kam aus dem Bauch heraus. Ich dachte „wow! Was für wunderbare Modelle für Gemälde!“ So kam ich dazu, einige meiner Klassenkameraden zu zeichnen. Dann ließ uns unsere Lehrerin, Petra Trojanowski, eines Tages in der Schule in unserer landeseigenen Schrift etwas an die Tafel schreiben. Dies war eine großartige Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und etwas über die Kultur von allen zu erfahren. Ich war entzückt von der Schönheit der Kalligraphie meiner Klassenkameraden. Ich denke, dass Teile der Persönlichkeit eines Menschen oder seines Gefühlszustandes von seiner Handschrift abgeleitet werden können. Ich habe mich sofort gefragt, ob ich etwas aus dem Kreidegekritzel auf der Tafel lernen kann, obwohl es in Schriften geschrieben war, die ich nicht kannte. Ich habe meine Zeichnungen dann dahingehend verändert, dass ich die handschriftlichen Notizen als Teil des Portraits mit aufgenommen habe.

Als nächstes habe ich einen Vorschlag meines Projektes bei der Volkshochschule eingereicht. Meine Idee war, Portraits von meiner gesamten Klasse zu malen. Nachdem mein Vorschlag akzeptiert worden war, habe ich auf Deutsch meiner Klasse das Projekt erklärt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich alle verstanden hatten, aber die meisten erlaubten mir, sie während der 15-minütigen Pause unseres 3-stündigen Unterrichtes zu photographieren. Aufgrund der dabei herrschenden allgemeinen Unruhe meiner Klassenkameraden, hatte ich weniger als 20 Sekunden, um jeden Mitschüler mit meiner digitalen Point-and-Shoot Kamera zu photographieren (ich glaube, dass die Bilder nicht die beste Arbeitsvorlage waren, aber nachdem ich täglich drei Stunden Zeit hatte, meine Klassenkameraden anzuschauen, waren ihr Aussehen und ihre Persönlichkeit in meinem Gedächtnis eingebrannt). Ich habe sie gebeten, ihren Namen, warum sie in Deutschland waren und was auch sonst immer sie sagen wollten, aufzuschreiben.

Ich habe mich für ein quadratisches Format von 80 x 80 cm entschieden, da das Gemälde in etwa Lebensgröße haben sollte. Ich habe das quadratische Format gewählt, weil das Quadrat für mich einen gleichen Anteil vom Ganzen darstellt. Jeder Schüler ist, egal wer er ist, gleichberechtigt ein Teil der ganzen Klasse. Der grüne Hintergrund auf jedem Bild stellt die Tafel mit der Unterschrift da, die mit Kreide geschrieben ist. Ich wollte die Klassenzimmer-Umgebung mit wenigen Hinweisen ausdrücken. Mein Ziel mit den Portraits war es, eine Ähnlichkeit zu vermitteln und die Persönlichkeit eines jeden Schülers sichtbar zu machen. Das Bild sollte durch seine Farben so lebendig sein, dass man eine Verbundenheit mit jedem Schüler empfinden und ihren Enthusiasmus teilen könnte. Ich wollte, dass man diese Persönlichkeiten mag und Empathie für sie empfindet, so wie ich es hatte, denn wenn man an diesen Ausländern auf der Strasse vorbeigehten wünde, dann wären sie nur Fremde. Am Ende habe ich 20 Schüler aus den drei Kursen, die ich 2006 besucht hatte, gemalt.

Für den größten Teil des Sommers kehrte ich nach Amerika zurück und dachte über meine Ideen und Erfahrungen nach. Ich begann im August mit dem Malen auf dem engen Balkon der Wohnung meines Freundes. Der Gnade des Wetters und dem Vorhandensein von Sonnenlicht ausgeliefert, sowie aufgrund meiner eingerosteten Technik, brauchte ich für das erste Portrait, das von Samroay, einen Monat. Im Dezember hatte ich, dank Linda Mößner, das Glück, in ihr Atelier in der Augsburger Puppenkiste einziehen zu können. So brauchte ich mir nicht länger Sorgen zu machen, dass ich beim Malen nass vom Regen werden würde. Aufgrund von so viel Training, brauchte ich einen Tag, um dass 20ste Gemälde, das Selbstportrait, fertig zustellen. Dann zimmerte Marcelo in Handarbeit 20 wunderbare Rahmen und half mir, die Ausstellung zu hängen.

Am zweiten März 2007 gab es an der Volkshochschule eine Eröffnung von 4 Ausstellungen. Dies waren meine Ausstellung, „Portraits von Teilnehmern eines vhs- Deutsch-Kurses“, zusammen mit Michael Hinterleitner’s „Schmuck-Stücke“, Christine Söffing’s „Rote Klänge und andere Konzerte“ und MigraNet’s „Viele Welten – Viele Fähigkeiten, Biographien MigraNet/Tür an Tür“. Die Ausstellung ist von März bis August 2007 zu sehen.

◊◊◊ ◊◊◊ ◊◊◊

 

 

.....................................................